Dünnes Eis 10 – Der letzte Tag bringt noch einmal Überraschungen

26.06.2018 – Wal, da bläst er

Es ist halb sieben Uhr morgens und ich sitze in unserem Aufenthaltsraum. Wie immer ist noch niemand hier. Das gibt mir Zeit, an meinem Bl0g zu arbeiten. Heute ist der letzte Tag auf See und wenn wir wieder Netz haben, möchte ich die ersten Seiten frei schalten. Natürlich bin ich, wie immer, bewaffnet mit meiner kleinen (70-200) und einem dicken Pulli zum Rausgehen. Das reicht, denn mit sechs Grad ist es recht mild. Ich schaue auf die Uhr: viertel nach Sieben. Ich hole mir einen Kaffee. Plötzlich kommt Martin von der Brücke: „Wale voraus,“ ruft er, „Blau-oder Finnwal. Wir können es noch nicht genau sehen.“ „Wie weit?“ frage ich. “ Weit weg, genau vor uns.“ Das ist genug Zeit für das Stativ und das 600er. Ich stürme hinaus, greife mir Kamera und Stativ. Sie liegen die ganze Reise hinten auf dem Deck, wasserdicht verpackt dank König Objektiv-Köcher und verzurrt. Auf Daunenjacke und Stiefel verzichte ich; habe ja schließlich Hausschuhe mit Profil. Ich eile nach vorn und baue auf. Da, weit entfernt sehe ich einen Wal mit der Seitenflosse winken bevor er abtaucht.

Wow, der Tag fängt gut an. Aufgeregt überprüfe ich noch einmal die Einstellungen an der Kamera. Da sind sie wieder. Viel dichter. Ich stehe auf der richtigen Seite des Schiffes. Das ist immer ein Glücksspiel, aber mitlerweile bin ich geübt schnell, mit montiertem 600er, das Stativ zu schultern und die Seite zu wechseln.  Sie kommen näher.

Das Schiff hat längst die Fahrt gedrosselt und auch die anderen sind an Deck. Meine Mitbewohnerin, Emanuelle, schaut noch recht verschlafen, aber nicht minder aufgeregt. Ken ist nur schnell in seine Flip-Flops geschlüpft, Martin, wie immer, in kurzen Hosen. Jetzt können wir die Tiere erkennen. Es sind drei Blauwale. Man sieht es gut an der blau-braunen Färbung am Schwanz unter der Fluke. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit, das größte Säugetier der Welt hier zu sehen. Dabei ist es bekannt, daß sie sich um diese Jahreszeit gern hier, in der Einfahrt zum Isfjord, aufhalten. Sie tauchen immer wieder auf, mal rechts, mal links vom Schiff. Natürlich möchte ich die Tiere fotografieren, wenn sie blasen. Der Blas kann bis zu zwölf Meter hoch sein. Besonders schön ist es gegen das Licht.

Aber es ist schwierig, denn der Wal taucht mit dem Blas auf und keiner kann genau sagen, wo er auftaucht. Ich wechsel auf die Steuerbordseite.  Vielleicht bekomme ich ja noch einmal einen gegen das Licht. Am liebsten natürlich, wenn er seine Fluke zeigt. Blauwale sind eher scheu und zeigen nicht so oft ihre Fluke. Auch kommen sie nicht so dicht wie andere Wale. Heißt es. Ich spähe nach schräg vorn. Plötzlich prustet es direkt neben mir. Erschrocken drehe ich die Kamera nach rechts. Tatsächlich. Direkt neben der Malmö ist ein großer Blauwal aufgetaucht. Er schwimmt ein wenig neben uns. Allein der Buckel, den er zeigt, ist riesig. Dann taucht er ab und zeigt uns zum Abschied seine Fluke. Begeistert applaudieren wir. Was für ein erhebendes Gefühl.

Den kleinen Papageientaucher direkt neben dem Schiff, nimmt ausser mir keiner war. Er spiegelt sich so schön im Wasser, ich muß ihn einfach fotografieren, wenn auch die Perspektive nicht so gut ist.


Die Wale tauchen noch einmal weiter entfernt auf, dann sind sie weg und wir setzen unsere Fahrt fort. Beim Frühstück sagt Roy: „So, der Wal stand ja auf Eurer Liste, oder? Was steht noch drauf?“ Im Scherz sage ich: „Fuchswelpen. Die hat sich die Sophie gewünscht.“ 

Unser Kapitän steuert einen kleinen Fjord an. Es ist ganz windstill hier, die See  spiegelglatt. Wir steigen in die Zodiacs und fahren um eine Felsnase herum. Dann landen wir an. Es geht eine kleine Steilstufe hinauf.

Hier gibt es überall Spitzbergen-Rentiere. Wir gehen ein Stück durch das Gelände. Überall ist es feucht und taut. Auch der Permafrostboden bricht hier überall auf.

Die Rentiere sind ziemlich cool; sie lassen uns dicht heran. Sie sind deutlich kleiner als ihre Verwandten auf dem Festland. Es ist eine eigene Art.


Nach einer Stunde gehen wir zurück. Da ist auch Martin, er scheint etwas zu beobachten und deutet uns, leise näher zu kommen.

Ein Eisfuchs. Es ist eine Fähe. Sie ist mit ihrem Sommerfell so gut getarnt, daß ich sie nur an ihrer Bewegung ausmachen kann. Ich erwische sie gerade noch, dann ist sie weg. Wohl zum Jagen. Auch ich lasse mich nieder. Vielleicht kommt sie noch einmal wieder. 

Mit dem Fernglas suche ich die Umgebung ab. Da, es bewegt sich etwas. Ich wage meinen Augen nicht zu trauen. Das kleine Fellknäuel dort ist ein Fuchswelpe. Und da kommt noch einer aus dem Bau. Sie sind noch sehr klein, haben gerade ihre Augen auf. Ich schätze sie so auf acht Wochen. Noch völlig unbeholfen tapsen sie herum, kauern sich wieder in das Gras. So richtig spielen sie noch nicht. Es scheint, als wären sie das erste Mal aus dem Bau gekommen.

Gute zwei Stunden warten wir, ob die Fähe wieder kommt um sie zu füttern. Dann brechen wir ab und kehren zu unseren Zodiacs zurück.

Es sollte die letzte Tour gewesen sein, denn wegen eines Pumpenschadens müssen wir ein paar Stunden früher als geplant zurück nach Longyearbyen. 

Abends, nach dem Captains Dinner, machen wir noch einen letzten Ausflug in das Umland von Longyearbyen. Birdwatching ist angesagt. Wir sehen Thorshühnchen, Eiderenten, Taucher. Wir fahren immer weiter hinauf. In 500m Höhe endet die Strasse. 

Fortsetzung folgt.

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Dünnes Eis 9 – Vogelgeschichten

25.06.2018

In der Nacht haben wir das südliche Kap Spitzbergens umfahren, und befinden uns jetzt wieder in etwas ruhigeren Gewässern im Süden. Wir steuern einen Fjord mit dem Namen Hamburger Bay an.

Ursprünglich waren wir in diesen Fjord hineingefahren, um nach Robben auf dem Eis zu sehen. Aber es kam mal wieder anders.

Als Erstes waren da ein paar Papageientaucher. Aber sie waren recht scheu.

 

Jetzt können wir in aller Ruhe einem Streitgespräch unter Eissturmvögeln lauschen. Lasst es einfach auf Euch wirken.

 

Aber wenden wir uns anderen Dingen zu.

Zum Beispiel Möwen im Eis.

 

Der Vorteil am Zodiac ist, daß man sehr nah an die Dinge herankommt. Das schafft oft völlig veränderte Perspektiven und auch einen anderen Blick für’s Detail.


 

Und dann dieser Eisberg mit hunderten von Möwen. Keiner weiß, warum sie ausgerechnet diesen Fleck ausgesucht haben und sonst keinen.

 

Und dann wieder die Dickschnabellummen, die Pinguine der Arktis.

Wir fahren weiter Richtung Norden. Der Eingang des Isfjordes soll das Ziel bis zum nächsten Morgen sein.

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Dünnes Eis 8 – Und nochmal Gletscher


24.08.2018

Am Morgen, nach dem Frühstück, parken wir dann rückwärts wieder aus dem Eis aus.

Auf dem Weg nach Süden passieren wir ein Paar Eissturmvögel, die noch auf dem Eis ruhen.

 

Dann kommen immer mehr Eisberge und schließlich wieder eine beeindruckende Gletscherfront.

Lasst Euch einfach treiben und lasst Euch verzaubern durch die Schönheit dieser Natur, so wie ich es getan habe.

Nachdem wir jetzt schon relativ weit im Süden sind, beschliesst die Crew, um die Südspitze herum zu fahren und somit eine Umrundung von Svalbard zu machen. Ein Unterfangen, daß meistens zu dieser Jahreszeit noch nicht möglich ist, aber das Eis hat, insbesondere in der letzten Woche, rapide abgenommen. Eine Folge des Klimawandels, der insbesondere hier, in der Arktis, extrem spürbar ist.

Somit bereiten wir uns auf eine unruhige Nacht vor, denn die See ist in dieser Gegend rauh.

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Dünnes Eis 7 – Ein perfekter Tag für einen Zodiac-Ausflug und eine Nacht im Eis

23.06.18

Als ich aufstehe und nach oben gehe, sind wir noch immer unterwegs. Es ist schon Land zu sehen. Unterwegs ein paar Eissturmvögel, die sich lauthals streiten.

Wir fahren immer weiter die Küste ab und suchen nach Eisbären. Ganz weit entfernt kann man eine Bärin mit einem Jungtier ausmachen. Sie ist gerade eben mit dem Fernglas zu sehen. Dann geht es weiter. Wir ankern vor einer kleinen Inselgruppe. Die Wolkendecke reißt auf und es kommt, zum ersten Mal seit wir unterwegs sind, die Sonne hervor. Herrlich. Wir machen die Zodiacs startklar und gehen auf Entdeckungstour.

Am Ufer begrüßt uns bereits ein Eiderentenerpel.

Die Strömung zwischen den Inseln ist kräftig. Roy nutzt sie geschickt aus und lenkt uns um die Inseln herum. Viele Vögel brüten auf den Steilen Felsen über dem Wasser.

Eine Prachteiderente fliegt auf.

 

Irgendwie hat eine Eiderente etwas von Duffy Duck. Nur die Farben sind anders herum.

Dann steuern wir wieder auf unser Schiff zu. Auf dem Weg nach Süden treffen wir auf zwei Walrösser am Rande eines kleinen Packeisfeldes in Front eines Gletschers.

 

Ganz hinten, am Gletscherabbruch, entdecken wir Eisbären. Der Kapitän nimmt Kurs auf das Eis und steuert hinein, so weit wie es geht. Dann sind wir fest im Eis. Hier werden wir die Nacht verbringen. Es ist inzwischen fünf Uhr nachmittags und wir beobachten eine Eisbärin ganz in der Ferne. Sie lauert an einem Atemloch, verläßt dann aber das Gebiet. Sie ist an ihrem Halsband gut erkennbar. Der Hals ist nur bei Eisbärinnen dünner als der Kopf; bei den männlichen Bären findet der Sender keinen Halt und rutscht sofort hinunter.

Eine Elfenbeinmöwe trinkt, indem sie auf das Eis pickt. Wenn das Meerwasser zur Eis gefriert, schwitzt es das Salz nach unten Eis. Das Meereis wird somit eigentlich zum Süßwasser.

D

ann eine kleine Bärenfamilie auf dem Weg zu den Jagdgründen.

Dann noch eine Eisbärin, die am Atemloch lauert. Plötzlich kommt ihr Nachwuchs angelaufen. Durch einen Laut, den sie von sich gibt macht sie dem Kleinen klar, daß es nicht näher kommen soll, während sie jagt. Gehorsam setzt es sich hin und wartet.

Nach ein paar Stunden, die Sonne ist bereits weiter gewandert, prüft sie noch einmal die Umgebung und gibt schließlich die Jagd auf.

Sie macht ihrem Nachwuchs klar, ihr zu folgen. Dann wird es noch einmal spannend, denn sie müssen die andere kleine Familie passieren.

Die Situation wirkt angespannt, aber die Bärin macht ihrer Mitstreiterin souverän klar, daß keine Gefahr von ihr ausgeht und sie nur passieren möchte.

So ziehen beide ihres Weges. Ich schaue auf die Uhr: Fast Mitternacht. Sechs Stunden habe ich jetzt hier gestanden und unentwegt die Bären beobachtet. Ich kann es kaum fassen.
Obwohl die Tiere weit entfernt waren, habe ich in diesen Stunden viel über das Verhalten von Eisbären und die Interaktion zwischen ihnen gelernt. Zufrieden lege ich mich schlafen.

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Dünnes Eis 6 – Wenn Eisbären schwimmen

Langsam fahren wir aus der Bucht hinaus. Unser Weg führt uns immer weiter nach Osten, bald sehen wir eine riesige Gletscherfront. Sie ist mit ihren 170 km die längste Gletscherfront auf der Nordhalbkugel und bildet das südliche Ende des Austfonna, der nordöstlichen Gletscherkappe Svalbards. Der Austfonna gehört zu den größten Gletschern außerhalb der Antarktis und Grönlands und bedeckt mit seinen über 8000 Quadratkilometern fast die ganze Nordostinsel des Svalbard-Archipels. Unzählige Eisberge und Eisschollen finden sich hier. Jeder hat eine andere Form, die sich ständig verändert. Aber es ist dieses einzigartige Gletscherblau, welches mich so in seinen Bann zieht. Eine unglaubliche Farbe, rein und klar.

Plötzlich schallt es von der Brücke des Schiffes: „Polarbear, far away.“ Ich nehme mein Fernglas zur Hand und suche den Horizont ab. Da, tatsächlich. Direkt vor der Gletscherfront bewegt sich ein vanillefarbener Punkt. Ich mach das 600er startklar. Dabei muß ich immer wieder die Seite des Schiffes mit dem Stativ wechseln, denn wir halten genau auf den Punkt zu, der langsam größer wird. Es ist ein Männchen. Man kann es gut an dem dicken Hals, der nicht dünner ist als der Kopf, und den langen Haaren an den Hinterseiten der Vorderläufe erkennen. Genüßlich wälzt er sich auf seinem kleinen Eisberg.

Der Schnee wirkt bei den langen Deckhaaren des Eisbären wie ein Frotteehandtuch und saugt das Wasser auf. 

Irgendwann sind wir ihm aber doch zu nah; unabsichtlich, denn beim Drehen des Schiffes im Eis haben wir ihn etwas aus den Augen verloren. Er springt in’s Wasser und schwimmt weg, steigt dann auf einer anderen Eisscholle wieder an Land. Währenddessen sehen wir aber noch einen zweiten Eisbären, der sich gerade an den Resten einer Robbe labt. 

Natürlich darf die Elfenbeinmöwe nicht fehlen. Sie begleitet den Eisbären, denn sie lebt von dem, was er übrig lässt.

Wir verlassen langsam den Ort und fahren wieder gen Westen. 

Ein einsames Walroß driftet auf einer Eisscholle über das Meer.

Während der Nacht queren wir bei etwas stärkerem Seegang die südliche Ausfahrt der Hinlopenstrasse und halten wieder auf das westliche Inselarchipel zu. Der kleine Ausflug zum östlichen „Austland“ hat mir sehr gefallen. Es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir diese beeindruckende Gletscherfront verpasst hätten. Ich lege mich schlafen. Wer weiß, was der neue Tag bringt.

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Dünnes Eis 5 – Schwere Gesellen

22.06.2018

Ich gehe an Deck, neugierig, wo wir wohl geankert haben. Zunächst sehe ich nur Treibeis um mich herum. Dann entdecke ich mit dem Fernglas ein schwimmendes Walross. Ich verfolge es und…… ja, die sind ja noch mehr. Sie liegen alle am Strand und schlafen. Es sind sicher 100 Tiere. Nach dem Frühstück steigen wir dann in die Zodiacs und fahren zu dem kleinen Strand hinüber. Sobald wir uns auf der Anhöhe über dem Strand blicken lassen, überfällt die Walrösser ein gewisse Panik und ein paar von ihnen flüchten in das Wasser. Wir gehen alle sofort auf die Knie und machen uns möglichst klein. Langsam beruhigen sich die Tiere wieder und wir können sie ausführlich fotografieren. Walrösser sind sehr neugierige Tiere, und so untersuchen sie sofort unsere Zodiacs. 

Langsam schleichen wir uns um sie herum, um dann auf der anderen Seite auf den Strand hinunter zu gehen. Dort wollen wir uns die Tiere, die in das Wasser geflüchtet sind, genauer ansehen. Auch sie sind sehr neugierig und kommen dicht an uns heran. Manche bis auf zwei Meter. Allerdings bricht bei jeder Bewegung, die wir machen, sofort Panik aus, und die Tiere stürzen zurück in die Fluten. Im Wasser sind sie eigentlich zu Hause. Es ist ihr Element und hier fühlen sie sich sicher. Sie suchen in Küstennähe nach Muscheln, die auf dem Boden leben. Dazwischen ruhen sie sich auf dem Strand und auf dem Eis aus. Es ist eine nette Begegnung mit diesen doch merkwürdig anmutenden Wesen.

Das atlantische Walross ist von der südlichen Karasee, über Franz-Josefs-Land und Spitzbergen bis Nordostgrönland verbreitet. Die Bullen können bis zu 1,5t, die Kühe immer bis 900kg schwer werden. Es ernährt sich ausschließlich von der Sandklaffmuschel, die es in seichten Gewässern im schlammigen Grund mit seiner Schnauze aufstöbert. Die Barthaare helfen bei der Suche. Das Walross saugt mit Hilfe seiner kräftigen Lippen das Fleisch aus der Muschel heraus. Es braucht so circa 70kg Muschelfleisch am Tag; die Schalen frißt es nie. 

Und ab hier mit dem Weitwinkel.

 

Aber auch die Küstenseeschwalbe zeigt sich heute von ihrer besten Seite. Sie fliegt fast genau vor meiner Nase hin und her. Das hat seinen Grund, denn sie haben ein Jungtier dabei, welches sie immer wieder füttern. Sie beginnen sofort bei Einsetzen der Schneeschmelze mit dem Brüten, muß doch der junge Vogel ausreichend groß und fit sein für die lange Reise in das Winterquartier am Rande der Antarktis. Somit ist die Küstenseeschwalbe der weitest gereiste Vogel der Welt. Bis zu 30.000km legt die Schwalbe pro Strecke zurück. Dabei macht sie schon mal Pause, zB in Afrika. Dort haben wir ein Exemplar in Botswana gefunden. Sie ist gegenüber Eindringlingen in ihr Brutrevier sehr aggressiv und greift auch Füchse und Eisbären an, die sie mit dem Schnabel in die Ohren oder Nase zwickt.

 

 

Nach einer langen Zeit, die wir mit den Walrössern und anderen Bewohnern auf dieser Insel verbringen durften, machen wir uns per Zodiac wieder auf den Heimweg zur Malmö.

Es war ein wirklich schöner und spannender Vormittag, aber damit sollte es für heute noch nicht getan sein.

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Dünnes Eis 4 – Eis, Nebel und wieder Eis

Weiter geht es durch das Eis. Ich bin völlig fasziniert von den verschiedenen Formen und vor allem von dem alles durchdringendem Blau. Das Eis ist wirklich so blau wie auf meinen Fotos, es ist kaum zu glauben.

 

Unsere Guides haben Walrösser erspäht und so bahnen wir uns einen Weg durch das Eis.

Majestätisch liegen sie da und lassen sich nicht stören. Am Ende ziehen sie aber dann doch das Wasser vor. Und weiter geht unser Weg durch das Eis. 

Plötzlich kommt Roy, einer der Guides und ruft: wir fahren ganz dicht an einer Bartrobbe vorbei. Ich stürze nach draußen, greife mein 70-200, daß ich immer griffbereit habe, und erwische sie gerade noch auf der Flucht.

 

Dann fahren wir wieder auf die Hinlopenstrasse hinaus um bald in die nächste kleine Strasse einzubiegen. Sie führt zwischen den festlandnahen Inselchen hindurch und hat noch viel Eis. Hier hoffen wir auf Eisbären. Leider kommt Nebel auf; unser Kapitän fährt in Schrittgeschwindigkeit durch das Eis hindurch. Wir sehen viele Eisbärenspuren aber leider können wir durch die dicke weiße Wand nicht hindurch sehen.

Dennoch stehe ich draussen, völlig eingenommen von der Stimmung, dem grenzenlosen Weiß, was durch den Nebel noch verstärkt wird. Es ist eine meditative Stimmung. Ich bin allein an Deck und ich geniesse die Stille. Es tut gut nach den aufregenden Szenen der letzten Nacht.

Falkenraubmöwe

Langsam fahren wir wieder auf das offene Wasser. Der Seegang nimmt zu, wir befinden uns am südlichen Ausgang der Hinlopenstrasse. Es ist spät und ich beschliesse zu Bett zu gehen; man weiß ja nie, was kommt. Es ist immer ein Guide auf der Brücke und hält Ausschau. Wenn es etwas zu sehen gibt, werden wir sofort geweckt. Ein super Service.

Als ich aufwache am nächsten Morgen bemerke ich, aß das Schiff vor Anker gegangen ist. Neugierig mache ich mich fertig und gehe an Deck.

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Dünnes Eis 3 – Ein Vogelfelsen der Superlative

21.06.18

Gesagt, getan. Und so ist es kurz nach Mitternacht, als wir an den Vogelklippen ankommen. Je näher wir kommen, desto mehr merke ich, wie riesig diese Klippen sind. Ich muß meinen Kopf weit in den Nacken drehen, um bis zur oberen Kante schauen zu können. Ein Vogelfelsen der Superlative. Gut 50.000 Brutpaare der Dickschnabellumme nisten hier. Das ist zwar nur ein kleiner Teil der ca 850.000 Brutpaare, die insgesamt auf Svalbard nisten, dennoch beeindruckend. Es herrscht ein unglaublicher Lärm. Aber auch Eis- und Dreizehenmöwen brüten an diesen Klippen. Die Strömung erlaubt unserem Schiff, dicht an den Klippen vorbei zu treiben. Somit kann ich vom Stativ arbeiten, was die Sache erheblich einfacher macht.

Immer wieder wendet unser Schiff und wir driften mehrfach an den Klippen vorbei. Also Stativ und Kamera geschultert und auf die andere Seite. Das klappt mittlerweile ganz gut. 

Die Lummen sehen ein wenig aus wie zu klein geratene Pinguine. Sie sind unglaublich flink und wendig. Ihre Flügel schlagen enorm schnell, wir haben sie Arktis-Kolibris getauft. Sie starten immer vom Wasser aus; dafür schlagen sie kräftig mit den Flügeln und laufen über das Wasser, bis sie dann abheben. Stehen sie auf einer Eisscholle, müssen sie erst in das Wasser springen um zu starten. Sind sie am Felsen, lassen sie sich fallen und starten dann durch. Immer wieder versuche ich, ihre Starts und Landungen einzufangen. Es macht Spaß ihnen zuzuschauen.

Auch Dreizehenmöwen leben hier inmitten der Lummenkolonie. Hier liefern sich zwei einen Kampf.

Immer wieder schaue ich auch auf das Wasser hinaus, denn auch auf den Eisschollen sind die Vögel zu finden.

Dann dreht das Schiff ab. Ich schaue auf die Uhr, es ist halb drei Uhr morgens. Ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Es ist schon ein komisches Gefühl, in der Nacht bei Tageslicht zu fotografieren.

Wir nehmen Fahrt auf und dringen weiter vor in der Hinlopen-Strasse. Mich überkommt die Müdigkeit und ich gehe schlafen. Immer wieder wache ich auf und merke, wie die Eisschollen an das Schiff stossen. Stundenlang geht das so. Plötzlich stoppen wir abrupt und die Maschine wird abgestellt: unser Schiff ist jetzt für die nächsten Stunden im Eis geparkt.

Ich stehe auf und mache mich fertig. Draußen ist die Luft klar und kalt, aber es ist immer noch bewölkt. 
Mit dem Fernglas sehe ich am Ende des Fjords mehrere Robben, sicherlich Ringelrobben, denn diese schlafen auf dem Eis und benützen Löcher im Eis um abzutauchen. Eisbären sind nicht auszumachen und so setzen wir unsere Fahrt nach dem Frühstück fort und verlassen den Fjord.

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Dünnes Eis 2 – Eisbären satt

20.06.18

Sechs Uhr, es hält mich nichts mehr im Bett. Mir tut der Rücken weh. Also stehe ich auf, nehme mein GPS und gehe an Deck. Wir sind ein gutes Stück vorangekommen und haben fast die Nordwestspitze erreicht. Frühstück ist um acht Uhr, also bleibt noch genug Zeit, ein wenig die Umgebung zu beobachten.

Gegen Mittag sind wir dann um die Spitze herum. Ein Stückchen weiter, in einem kleinen Fjord, entdeckt einer unserer Guides die ersten Eisbären. Es ist ein Weibchen mit zwei Jungen, circa sechs Monate alt. Sie suchen auf dem kleinen vorgelagerten Eiland nach Eiern. Wir lassen die Zodiacs zu Wasser und pirschen uns vorsichtig an sie heran. Roy, der Guide auf unserem Boot, ist ganz glücklich, daß sie uns so dicht heranlässt. Sie macht keinerlei Anstalten uns zu vertreiben und so können wir die Drei lange beobachten wie sie die Nester der Vögel plündern, die Eier fressen und sich schließlich zur Ruhe legen.

Fotografisch habe ich so meine Probleme am Anfang. So lange ich auf meiner Seite auf dem Zodiac auflegen kann, sind es nur die Wellen und die Bewegung des Bootes, die ich ausgleichen muß. Sobald ich aber über die Anderen hinweg auf die gegenüberliegende Seite fotografiere, wird es schwierig, denn das 600er aus der Hand ist so eine Sache für sich. Zum Schluß klappt es doch ganz gut und mir gelingen ein paar schöne Aufnahmen. Nächstes Mal werde ich es mit dem Bodenstativ probieren.

Wieder an Bord geht es gleich weiter Richtung Osten. Unser Ziel ist die Einfahrt zur Hinlopenstrasse und dem dortigen Vogelfelsen, den wir voraussichtlich gegen Mitternacht erreichen werden.

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Ein wenig Wissenswertes über Eisbären. 

Die Bärchen sind, wenn sie im Dezember oder Januar geboren werden, sehr klein. Sie wiegen ungefähr 400-800g und kommen blind und taub zur Welt und sind noch ganz rosa. Die Bärin kommt in einer Höhle nieder, die sie sich im späten Herbst in den ersten Schnee gegraben hat. Danach wird sie weiter eingeschneit. Bärinnen legen ihre Höhlen meist an steilen Hängen im oberen Drittel an, denn hier ist der Schnee nicht so schwer und sie kann sich im Frühjahr leichter ausgraben. Die meisten Höhlen haben eine kleine Atemöffnung. Ist die Höhle fertig angelegt, schläft die Bärin bis zur Niederkunft. Danach säugt sie die kleinen Bärchen bis zum Frühjahr und wärmt sie zwischen ihren Vorderbeinen; in dieser Zeit nimmt sie keine Nahrung zu sich. Mit einem Monat können die Bärchen hören und öffnen die Augen. Mit 45 Tagen fangen sie an, im Lager herum zu kriechen. Mit 50 Tagen könne sie riechen und mit 60 Tagen kommen die ersten Zähnchen. Mit 75 Tagen können sie auf den Hinterbeinen stehen.
Wenn im März/April die Temperaturen steigen und die Winde nachlassen, macht die Bärin die Höhle auf. Das macht sie, indem sie einen Tunnel schräg nach unten außen gräbt. Damit ist die Temperatur in der Höhle immer ein paar Grad höher als draußen. In den ersten Tagen unternimmt die Bärin mit ihrem Nachwuchs, meist zwei kleine Bärchen, Ausflüge. Jetzt ißt sie auch zum ersten Mal, seit sie sich in der Höhle eingegraben hat, und setzt den ersten Kot ab. Nach 3-5 Tagen verlässt die Bärenfamilie endgültig ihre Höhle und macht sich auf den Weg zum Meer. Jetzt gilt es, auf dem Eis genug Robben zu jagen, damit die Familie ernährt wird und die Bärchen im ersten Jahr gut wachsen. Sobald die Bärin mit ihrem Nachwuchs die Höhle verlässt, essen sie auch schon zusätzlich Fleisch, werden aber bis zum 18. Monat gesäugt. Die Muttermilch einer Bärin ist sehr fetthaltig; sie ähnelt in diesem Punkt der Robbenmilch. Mit sechs Monaten wiegen die kleinen Räuber 40-60kg, nach einem Jahr 65-90 kg. Mit 20-24 Monaten sind sie selbstständig und verlassen dann die Familie. Bis dahin haben sie viel zu lernen.
Zum Beispiel die Jagd. Unsere kleinen Bärchen, sie sind circa sechs Monate alt, wissen schon, wie man Eier aus dem Nest raubt und sie aufmacht. Eier sind für Bären eine nahrhafte Mahlzeit. 

In dem Areal, in dem wir die Bären gefunden haben, war bis vor Kurzem noch Eis und die Mutter konnte Robben jagen. Sie und auch ihr Nachwuchs ist in guter körperlicher Verfassung. Zum Robben jagen begeben sich die Bären auf offenes Meereis. Dort lauern sie oft an den Atemlöchern der Ringelrobbe gegen den Wind. Oft liegen sie dafür flach auf dem Boden und schieben sich vorsichtig mit den Hinterfüssen heran. Sie nutzen jede Unebenheit im Eis, um sich zu verstecken. So eine Jagd kann mehrere Stunden dauern. Dabei liegt der Eisbär oft lange Zeit unbeweglich und geduldig auf der Lauer. Streckt eine Robbe ihren Kopf aus dem Atemloch, wird sie gepackt, herausgezogen und mit einem kräftigen Tatzenschlag getötet. Die Ringelrobbe ist die häufigste Robbe in derArktis. Sie wird ungefähr zwei Meter groß und gibt somit für eine Bärenfamilie eine gute Mahlzeit ab. Zunächst fressen die Bären den Blubber und nur, wenn sie sehr hungrig sind, fressen sie auch den Rest. In ihrer Gefolgschaft befinden sich meist Elfenbeinmöwen und auch Eisfüchse, die sich von den Resten ernähren. Eisbären jagen aber auch die größeren Bartrobben. Diese schlafen oft auf treibenden Eisschollen. Der Bär pirscht sich schwimmend an die Robbe heran; dabei sieht man oft nur die Nase aus dem Wasser ragen. Mit einem kräftigen Satz springt er dann aus dem Wasser auf die Scholle und tötet die überraschte Robbe.
Wenn das Eis im Sommer weg ist, jagt er auch Landsäuger. Allerdings kann er nicht lang schnell laufen, da er dann überhitzt. Wenn es gar nichts anderes gibt, begnügt sich der Bär im Sommer und Herbst auch mit Beeren, Tang, Moosen und Flechten. Von dieser Zeit hängt der Ernährungszustand der Bärin im Herbst massgeblich ab. Ist ihr Zustand schlecht, wird der Körper den Embryo, der nach der Befruchtung im Frühjahr erst im Herbst weiter wächst, abstoßen und die Bärin wird nicht trächtig. Gibt es viele kleine Bären, so wie dieses Jahr, lässt es auf ein gutes letztes Jahr rückschliessen. Dies war tatsächlich so, denn Svalbard war im Juni 2017 nur bis zur Nordspitze schiffbar, danach begann das Packeis. Ein aussergewöhnliches Jahr, denn der allgemeine Trend, die Eisbildung betreffend, ist die letzten Jahre stark rückläufig. Die grösste Hungerperiode trifft die Bären im Herbst. Dann warten sie schon sehnsüchtig an der Küste auf die Ankunft des nach Süden wachsenden Eises und damit auf die Robben. Mit den ersten Robben fressen sie sich erst einmal so richtig satt. Ihr Magen kann bis zu 70kg Fleisch fassen.

Überhaupt ist der Eisbär für Extreme gemacht. Er ist ungemein widerstandsfähig gegen tiefe Temperaturen. Ihr Fell besteht aus einer körpernahen, wärmenden Schicht und aus einer äußeren, sehr dichten Schicht mit langen wasserabweisenden Haaren. Kommt der Eisbär aus dem Wasser, trocknet er sich, indem er sich im Schnee wälzt. Es gibt keine Stelle am Eisbär, die Wärme abgibt; nicht einmal die Sohlen der Tatzen strahlen in der Infrarotaufnahme viel Energie ab. Allerdings bekommt der Eisbär ein Problem, wenn es warm wird. Dann zieht er sich gern in das Wasser oder auch in eine Höhle zurück. Er kann ausgesprochen gut sehen, wenn es um Dinge auf dem Eis geht; eine Robbe macht er über mehrere Kilometer aus. Auch sein Geruchssinn ist sehr gut entwickelt. Viele Bären schliessen immer wieder die Augen beim Gehen zu kleinen Sehschlitzen und orientieren sich mit der Nase. Die Augen haben Zonen, die eine gute Nachtsicht ermöglichen. Er kennt sich im Eis sehr gut aus und findet instinktiv die am wenigsten beschwerlichen Wege. Er springt dann mühelos über 1-2 Meter hohe Grate und kann gut am Eis hochklettern. Auch schwimmt der Eisbär gern und das auch richtig schnell. Er ist ein ausdauernder Schwimmer und kann bis zu 2 Minuten tauchen. Er ist sehr neugierig und untersucht alles, was ihm unterkommt. Die Weibchen sind sehr fürsorgliche Mütter; bei Gefahr nehmen sie die Bärchen auf den Rücken und laufen mit ihnen weiter. Männchen jagen manchmal die kleinen Bären; daher versuchen die Weibchen Abstand zu ihnen zu halten. Überhaupt sind Eisbären Einzelgänger und man trifft sie nur in der Bärzeit paarweise an. Gibt es aber eine große Beute, wie zum Beispiel einen verendeten Wal, fressen oft mehrere Bären nebeneinander an dem Aas ohne sich zu streiten. Die Weibchen adoptieren auch fremde Bärchen, wenn der Mutter etwas zugestoßen ist. 

Eisbären sind nicht sehr gesprächig. Nur bei Gefahr warnen sie mit einem kurzen Fauchen (Blasen) oder Bellen. Sie können allerdings laut schnarchen.

Der Eisbär ist immer auf Wanderschaft. Auch die Mutter wandert mit ihren Jungtieren in den Jagdgebieten hin und her. Es gibt nur wenige ortsständige Bären. Dabei weiß der Bär immer, in welcher Richtung das offene Meer ist. Auch kann er den Norden sehr genau bestimmen und wandert oft lange Strecken. Dabei bringt ihn die Eisdrift, die immerhin 4km am Tag beträgt, im Uhrzeigersinn auch in andere Länder. Er ist also ein arktischer Kosmopolit. 

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Dünnes Eis 1 – Eine aufregende Zeit

17.06.2018 – Prolog

Endlich sitze ich im Flieger nach Oslo. Seit einer Woche packe ich ein und um. Zuletzt heute morgen. Eine Menge warme Sachen sind dabei; auch, wenn es in der Arktis aktuell wärmer ist, wie im letzten Jahr, so kann es an Bord der MS Malmö doch richtig kalt werden. Immerhin ist es erst Mitte Juni.
Dennoch, das Hauptaugenmerk meines Gepäcks liegt auf der Fotoausrüstung. Und so fliegt manches Schurwollhemd und so manche lange Unterhose wieder raus zugunsten des Stativs, der wasserdichten Objektivtaschen und der eiswassertauglichen Stiefel.
Die Wärme, die mein Daunenparka abgibt, obwohl ich ihn nur über dem Arm trage, lässt mich schon auf dem Weg zum Gate in Schweiß ausbrechen. Der Flieger ist verspätet, mein Fotorucksack wird immer schwerer und der Schweiß läuft mir den Rücken runter, während ich auf das Boarding warte. Dann ist es endlich so weit. Der erste Abschnitt beginnt, meine Aufregung legt sich etwas.
Überhaupt war ich noch nie vor einer Reise so aufgeregt wie heute. Nicht einmal, als ich im Himalaya war; meine erste große Reise allein damals, vor 12 Jahren. Dazwischen liegen viele wunderbare Afrika- und Indienreisen, aber auch nähere Ziele wie Polen oder Finnland waren dabei. Immer habe ich versucht, die Natur und insbesondere die Tiere mit meinen Fotos so zu zeigen, daß sich die Menschen zu Hause ein Bild in ihrem Inneren davon machen können. Ich wollte immer, daß sie in die Bilder und Geschichten so eintauchen können, als wären sie dabei gewesen.
Das werde ich auch jetzt wieder tun, aber diesmal ist es etwas ganz Besonderes: Svalbard, die Arktis: Eisbären, Robben, Eisfüchse, Walrösser, Rentiere, Vögel, Eisberge und Schlittenhunde aber auch der Klimawandel und die Probleme, die sich daraus ergeben. Noch nie war ich so weit im Norden, nur 1500 km vom Nordpol entfernt. Aber immer schon habe ich davon geträumt.
Etliche Wochen vor meiner Reise in die Arktis habe ich angefangen, verschiedenste Bücher zu wälzen. Über den Inselarchipel und seine Geschichte, über die Tiere, die dort leben und über die Klimaveränderungen, die schon seit einiger Zeit vor sich gehen. Ich habe den täglichen Eisreport verfolgt, die online Tageszeitung „icepeople“ und die Pressemiteilungen des Alfred-Wegener-Institutes, des bedeutendsten Polarforschungsinstitutes in Deutschland. Und ich habe die im Jahre 2004 veröffentlichte Studie zum Klimawandel gelesen. Mit all diesem Wissen gewappnet sitze ich nun an Bord meines Fliegers nach Longyearbyen.

Und ich nehme Dich, liebe Leserin, lieber Leser mit in diese Welt, die so weit von uns entfernt ist, und deren Zukunft umso enger von unserem Handeln abhängig ist.

 

Zwischenstop

Der Flug nach Oslo verlief auf Grund des Wetters leicht unruhig. Meine Aufregung konnte ich aber dann mit einem guten „Urlaubs-Anfang-Menu“ ein wenig senken.


Nun sitze ich in Oslo und warte auf meinen Anschlußflug nach Longyearbyen. Es regnet was vom Himmel kommt; das hat sich auch auf die Landung ausgewirkt. Auf der Landebahn nichts als Wasser. Hier habe ich jetzt sechs Stunden Zeit mich noch ein wenig übe die aktuelle Situation auf und um Spitzbergen zu informieren. Der Eiszuwachs war diesen Winter so wenig wie noch nie und sehr dünn. Die Temperaturen sind höher als in den Vorjahren; das führt immer wieder zu Regenfällen auf den Schnee und somit zur gesteigerten Schneeschmelze. Anfang des Monats stieg das Wasser bei einem solchen starken Regenfall in einem der Kanäle so stark an, daß die Schlittenhunde aus ihren Zwingern mit Hubschraubern evakuiert werden mussten. 
Normalerweise ist das Packeis um diese Jahreszeit auch viel weiter südlich. 

Das hat natürlich Auswirkungen auf alle Tiere, die auf das Eis angewiesen sind. 
Eisbären jagen Robben auf dem Eis. Die Mütter verlassen die Höhlen mit ihren Jungen im April. Geht das Eis zu schnell zurück, können sie sich und ihren Nachwuchs nicht mehr ausreichend bis zum Sommer ernähren.
Walrösser leben größtenteils auf dem Eis, jagen aber küstennah. Sie ernähren sich überwiegend von Muscheln, die sie in den flachen Küstengewässern am Grund finden. Sie tauchen nicht tief. Geht das Eis zu schnell zurück, ist es nicht mehr küstennah. Ringelrobben und Bartrobben bringen ihre Jungen in Eishöhlen unter dem Packeis auf die Welt. Müssen sie mit ihnen zu früh an Land, werden viele Jungtiere nicht überleben. 
Auch an Land sind viele Tiere gefährdet, wenn es zu früh taut. Rentiere zum Beispiel leben im Winter von Flechten die sie unter dem Schnee frei scharren. Unter der Schneedecke sind die Flechten geschützt und nicht gefroren. Kommt es zur Schmelze und immer wieder im Wechsel zum Frost, werden die Flechten mit einem Eismantel überzogen. Die Rentiere scharren sie dann komplett mit Wurzel frei um sie fressen zu können. Aber bis eine Flechte nachwächst, dauert es Jahre. 
Auch viele Vögel sind auf das Eis angewiesen, weil sie zum Beispiel in den Eisspalten nach Fischen jagen. 

 

Wie kommt es eigentlich zur Klimaerwärmung?

Nun, es ist ein multifaktorielles Geschehen. Vor allem aber wird der immens steigende CO2-Ausstoß dafür verantwortlich gemacht. Das Gas reichert sich in der Atmosphäre an und verhindert somit eine Abstrahlung der von der Wasseroberfläche reflektierten Sonnenwärme ins All. In Folge erwärmen sich die Luftschichten und die Meere. Es kommt zu einer allgemeinen Erderwärmung.
Was genau bringt jetzt aber das Eis in der Arktis und die Gletscher Grönlands zum Schmelzen? Natürlich die Erderwärmung, könnte man sagen. Nur verzeichnen wir an den Polen eine deutliche stärkere Erwärmung als am Äquator. Hier kommt jetzt der Golfstrom in’s Spiel. Jene mächtige Strömung, die warmes Wasser an der Oberfläche vom Golf von Mexico nach Norden transportiert. Durch Verdunstung wird das Oberflächenwasser immer salzhaltiger und damit dichter, bis es dann langsam nach unten sinkt. Das passiert auf dem Weg von Schottland zum Nordpol. Dabei wechselt es auch die Fließrichtung und strömt wieder südwärts. Dieser Strom bringt ein mildes Klima in die nördlichen Regionen, die er berührt. So zum Beispiel nach Schottland. Nördlich von Schottland gelangt der Golfstrom dann in die Framstrasse. Das ist die Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen, wo er dann allmählich umdreht und Teile nach Osten (Grönland) und Westen (Spitzbergen) abzweigen. 
Der durch die Erderwärmung zunehmende Regen verdünnt jetzt das Oberflächenwasser, so daß es weniger salzhaltig ist und sich somit langsamer unter die kalten Schichten des arktischen Meeres schiebt. Wärmeres Wasser kommt in der Framstrasse an. Hier zweigt ein Teil des jetzt wärmeren Wassers nach Grönland ab, schiebt sich unter den Gletscher und schmilzt ihn von unten. Gleichzeitig kommt wärmeres Wasser unter dem Nordpolareis an. Auch dieses wird von unten und an den Rändern deutlich schneller schmelzen als sonst im Sommer. Der deutlich früher im Jahr einsetzende Rückgang des polaren Meereises gibt auch am angrenzenden Festland (Rußland, Alaska und Kanada) die Einmündungen der Flüsse früher frei, was einen zusätzlichen Einstrom von Süßwasser in die polaren Regionen und somit eine weitere Verdünnung des Polarmeeres bedeutet.

Natürlich gibt es auch noch andere Faktoren, die zur globalen Erwärmung und insbesondere zur Erwärmung der Polarregionen führen. Hierauf werde ich aber zu gegebener Zeit an anderer Stelle eingehen.

 

18.06.18 – Longyearbyen, ein erster Eindruck

Als wir landen ist es 0:30 Uhr. Es ist taghell, die Sonne allerdings hinter vielen Wolken Verborgen. Es weht und es schneit ein wenig. Der Bus setzt mich vor der Tür von Mary Ann’s Polarrigg ab. Ich bin stehend k.o., schaffe es gerade noch, meine Taschen in mein Zimmer zu verfrachte. Nur einschlafen kann ich nicht. Trotz Schlafmaske wälze ich mich völlig übermüdet hin und her. Das Frühstück am Morgen habe ich gestrichen, noch ein wenig schlafen. Gegen Mittag mache ich mich dann auf in das Zentrum von Longyearbyen. Bei einem Kaffee kommen meine Lebensgeister so langsam zurück. Gegen Mittag reißt der Himmel auf und die Sonne brennt vom Himmel. Es ist viel zu warm für die Jahreszeit; 4 Grad.

Ich treffe die anderen Tourteilnehmer in der Galerie von Wildphoto. Wir gehen abends zusammen essen, es ist eine illustre Runde. USA, Italien, Frankreich, Südafrika, Norwegen. Ich bin die einzige Deutsche. Wir sind sieben Frauen und fünf Männer. Manche haben schon Erfahrung in der Arktis oder Antarktis. Ich bin sehr gespannt. So mache ich mich dann auf den Heimweg und falle ins Bett. 

 

19.06.18 – Sturm

Es ist bewölkt, es stürmt und es hat Sechs Grad! Viel zu warm. 
Ich packe gemütlich meine Sachen zusammen und mache mich dann auf den Weg ins Zentrum. Der Kaffee ruft!

Dann auf in die Wildphoto Gallery. Zum Glück hat mir Sophie gestern den Shortcut zu meinem Hotel gezeigt. Dort kann ich mein Fotogepäck sicher abstellen. Den Rest holen wir dann später aus dem Hotel. Als ich wieder nach draussen gehe, bläst mir der Wind mit aller Macht in’s Gesicht. Ich hatte vergessen meine Mütze aufzusetzen. Aber es ist herrlich. Es gibt mir plötzlich die Energie, die ich schon lange in mir vermisst habe. Heute ist es richtig aufzubrechen; und es treibt mir die Tränen in die Augen.

Am späten Nachmittag beziehe ich meine Kabine auf der MS Malmö. Ich teile sie mit einer Französin. Gegen Abend legen wir dann ab und fahren zunächst Richtung Westen, um auf das offene Meer zu gelangen. Der Seegang ist mäßig. Auch noch, als wir nach Norden abbiegen, um an der Küste entlang bis zur Nordspitze zu gelangen. 

Ich mache ein paar Übungsaufnahmen von Seevögeln im Flug mit dem 3D-Fokus meiner D500. Ich bin immer wieder erstaunt, wie präzise er greift. Es ist faszinierend, den Möwen im Flug zu folgen. Ab und zu kommen ein paar Schwarmvögel, meistens Grillteisten. Erst, als ich die Fotos später in meiner Kabine entwickle und vergrößere bemerke ich, daß ich auch Papageientaucher im Flug fotografiert habe. Darüber freue ich mich sehr. 

 

In der Nacht wird der Seegang plötzlich stärker. Wir haben den Windschatten der vorgelagerten Insel Foreland verlassen. 

 

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